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Effiziente Kocher retten Lebensraum für letzte Berggorillas

Fakten zum Projekt

 

Projekttyp: Energieeffizienz, Land- und Forstwirtschaft

Projektstandort: Ruanda

Projektstandard: Gold Standard VER

Jährliche Emissionsreduktion: 38.000 t

Projektstart: Jänner 2019

Weniger Brennholzverbrauch – das heißt Lebensraum für Tiere, weniger Abholzung, weniger Treibhausgase in der Atmosphäre, mehr Zeit und Geld und verbesserte Gesundheit für Frauen und Mädchen in Ruanda! Dies wird erreicht, durch den subventionierten Verkauf von energieeffizienten Kochern an Familien rund um den Volcanoes Nationalpark im Nordwesten von Ruanda.

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Das Projekt

Ruanda – das Land der tausend Hügel – ist das dichtest bevölkerte Land Afrikas. Der immer stärker zunehmende Holzverbrauch durch die wachsende Bevölkerung, die nicht zuletzt aus bereits abgeholzten Regionen zuwandert, gefährdet das einzigartige Ökosystem Regenwald. Vor allem die durch Dian Fossey bekannt gewordene Population der Virunga Berggorillas, die in den Bergnebelwäldern der Virunga-Vulkane im Volcanoes Nationalpark im Nordosten Ruandas leben, sind durch die Abholzung stark gefährdet und konkret vom Aussterben bedroht.

Reduzierung des Holzbedarfs
Der Nationalpark ist weltweit ein Hotspot an einmaliger Flora und Fauna, das macht dieses Projekt so besonders. Da das Projekt gezielt rund um den Nationalpark umgesetzt wird, bleibt nicht nur der bedrohte Lebensraum der Berggorillas erhalten, sondern es wird auch klimaschädliches CO₂ gebunden, das sonst durch die Verbrennung von Holz in die Atmosphäre gelangt. Mit der Installation von insgesamt bis zu 50.000 effizienten Kochern will das Projekt den Feuerholz-Bedarf der Familien, die rund um den Nationalpark leben, um bis zu 70 Prozent reduzieren.

Der myclimate-Projektpartner Likano hat zusammen mit der Bevölkerung ein lokal produzierbares, effizientes Kochermodell entwickelt, das mehr als zwei Drittel weniger Brennholz verbraucht als die herkömmlichen offenen Drei-Steine-Feuerstellen. Neben dem Schutz der Berggorillas und der CO₂e-Einsparung verändert das Projekt auch insbesondere das Leben von Frauen und Mädchen. Sie müssen viel weniger Zeit oder Geld aufwenden, um Feuerholz zu besorgen – eine Arbeit, die traditionell klar in Frauenhand liegt. Auch sind sie dank der effizienteren Verbrennung den schädlichen Rußpartikeln der offenen Feuer weniger ausgesetzt.

Die Rauchgase in der Hütte sind stark zurückgegangen. Ich habe keine geröteten Augen mehr und meine Lungen sind nicht mehr gereizt. Ich gebe nur noch 50 Ruandische Franc (ca. 5 Cent) pro Tag für Brennholz aus – ein Sechstel von dem, was ich zuvor ausgab.
Ancille Mukasine, Kabatwa, Nyabihu District, Rwanda

Die Kochzeit reduziert sich mit dem effizienten Kocher um die Hälfte. Dadurch gewinnen die Familien mehr als eine Stunde pro Tag, die ihnen für die Landwirtschaft und sonstige Tätigkeiten zur Verfügung steht. Denn es muss alles bei Tageslicht erledigt werden: In den Hütten der meisten Menschen rund um den Nationalpark gibt es keinen Strom für die Beleuchtung.

Ein großer Vorteil des neuen Kochers ist die Zeiteinsparung. Ich kann nun Körbe flechten und sie in meinem eigenen Laden verkaufen.
Felicité Muragijimana, Ruanda

Kernstück des Kochers ist ein Tonzylinder, der als Schlot für eine gute Verbrennung sorgt. Im Inneren speichert eine spezielle Isoliermischung aus lokal verfügbarem Lehm und Kaffeeschalenresten die Wärme. Außen schützt eine stabile Metallummantelung den Ofen und das hohe Gewicht von über 20 Kilogramm ist die Grundlage für eine lange Lebensdauer. Die Kaffeeschalen werden von den Kaffeebauern in der Region bezogen und bieten diesen ein zusätzliches Nebeneinkommen.

Meinen Landsleuten eine nachhaltige Verbesserung im täglichen Leben zu ermöglichen und gleichzeitig das sensible Ökosystem, die Heimat der Berggorillas zu schützen, macht mich sehr stolz.
Faustin Ngirabakunzi, Projekt-Mitarbeiter vor Ort

Dieses Projekt sieht sich als Ergänzung zu den Schutzmaßnahmen der Regierung und der NGOs zugunsten der Regenwälder. Die Gelder aus der CO₂e-Kompensation werden für die lokale Herstellung der Öfen und den subventionierten Verkauf an die Haushalte verwendet. Regelmäßige Besuche bei den Familien stellen die Grundlage für eine optimale Verwendung dar.

Durch die enge Partnerschaft mit dem IGCP (International Gorilla Conservation Program) wird jährlich ein Schwerpunkt zum Schutz der Berggorillas gesetzt. Dazu gehört zum Beispiel die Ausbildung der Ranger, Awareness-Programme oder Reparaturarbeiten an der Steinmauer, die als Begrenzung des Volcanoes Nationalparks dient.

Das Projekt trägt zu folgenden Sustainable Development Goals (SDG) bei:
SDG1
Keine Armut
Die Haushalte sparen durchschnittlich 180 EUR pro Jahr an Brennholz.
SDG3
Gesundheit
Mehr als 52.950 Menschen profitieren von einer besseren Gesundheit und Lebensqualität, da Rauchgas zu Atemwegserkrankungen führen kann.
SDG4
Hochwertige Bildung
Ein Haushalt spart eine Stunde pro Tag, in der z.B. Kinder Hausaufgaben machen können.
SDG5
Geschlechtergleichheit
Frauen sparen eine Stunde pro Tag bei der Beschaffung von Brennholz, in der ein zusätzliches Einkommen erzielt werden kann.
SDG7
Saubere Energie
Bisher wurden 8.930 effiziente subventionierte Öfen verkauft.
SDG8
Menschenwürdige Arbeit
Bis heute wurden 25 lokale Arbeitsplätze geschaffen.
SDG12
Nachhaltiger Konsum
Die Öfen werden aus lokal beschafften, wiederverwertbaren Materialien hergestellt.
SDG13
Klimaschutz
38.000 Tonnen CO₂ werden jedes Jahr vermieden.
SDG15
Leben an Land
Bis heute wurden 62.400 Tonnen Holz geschont und damit über 313 Hektar Wald vor der Abholzung bewahrt, was den Lebensraum vieler endemischer Tier- und Pflanzenarten schützt.
SDG17
Partnerschaften
Das Projekt spiegelt eine starke Nord-Süd-Zusammenarbeit wider.
Landschaft | turn_to_zero

© myclimate

Affe_im_Dickicht | turn_to_zero

Durch die Abholzung sind die Gorillas ebenso bedroht wie durch die Ansteckung mit menschlichen, aber für sie oft lebensbedrohlichen Krankheiten. © myclimate

Projektlokalisierung | turn_to_zero

Das Projekt ist auf die 12 Gemeinden rund um den Volcanoes National Park (grün gestreifte Fläche) begrenzt. © myclimate

arbeitende_Menschen | turn_to_zero

Die Grenzen zwischen dem Nationalpark und den umliegenden Siedlungsgebieten werden täglich auf der Suche nach brennbarem Holz überschritten. © myclimate

Verkäuferin | turn_to_zero

Felicité Muragijimana verkauft ihre selbst geflochtenen Körbe und verdient sich so ein Zusatzeinkommen. © myclimate